Junge Kunst im Museum Folkwang
Kiriakos Tompolidis hat sich im Museum Folkwang eingerichtet. In The Quiet Hour betritt man eine Art abgewohntes Zimmer, in dem der in Essen geborenen Künstler (*1997) mit Versatzstücken seiner Erinnerung spielt. Sieben Gemälde sind eigens für die Ausstellung entstanden – inhaltlich überlagern sich auf ihnen kunsthistorische Bezüge und mit persönlichen Erinnerungen, formal treffen fotografische Elemente auf Malerei.
Sleep without Witness etwa zeigt den Künstler schlafend. Eine geblümte Bettdecke nimmt einen Großteil des Bildraumes ein und breitet sich bis zu den Rändern der Leinwand aus. Das Gemälde wird selbst zum Bett. Tompolidis reizt das Spannungsverhältnis zwischen dem illusionären Bildraum und dem Bild als materiellem Objekt aus, indem er die weißen Blumen und Musterlinien auf die Leinwand stickt.
Tompolidis Meta-Malerei ist von autobiografischen Motiven durchzogen. Immer wieder komponiert er Selbstporträts oder Szenen aus dem Familienalbum, schöpft jedoch ebenso aus umfangreichen Bildquellen, die er über Monate, manchmal sogar Jahre, gesammelt hat. Eine Frau mit Säugling erinnert an eine Madonna, eine Amphore mit Blumenstrauß verweist auf die griechische Antike und zugleich auf niederländische Blumenstillleben des 17. Jahrhunderts.
Tompolidis Großeltern zogen in den 1960er-Jahren aus Griechenland nach Essen. So changieren Tompolidis kulturelle Einflüsse zwischen Griechenland, der Herkunft seiner Familie, Deutschland, seinem Heimatland, und Mexiko, seinem heutigen Lebensmittelpunkt, und schlagen sich auch ästhetisch-visuell in seinen Werken nieder.
Auf einem großen Schrankbild wird dies besonders deutlich. Gefäße, Teller, Kerzenständer, eine griechisch-orthodoxe Ikone, ein Porzellanschwein aus Mexiko und Alltagsgegenstände aus verschiedenen kulturellen Zusammenhängen sind ohne Hierarchie angeordnet. Die Objekte im Buffetschrank erzählen von Reisen, von handwerklichen Traditionen und familiären Erinnerungen. Sie sind Träger persönlicher wie kollektiver Geschichte und fügen sich zu einer indirekten Form des Selbstporträts zusammen, verstanden als eine Ergründung der eigenen Identität.
Kiriakos Tompolidis Gemälde eröffnen Schwellenräume, in denen Wahrnehmungen und Identitäten immer wieder neu entstehen können.
Das Ausstellungsformat 6 ½ Wochen im renommierten Museum Folkwang bietet eine spannende Plattform für junge Kunstschaffende aus aller Welt. Es bietet Platz für künstlerische und kuratorische Experimente. Für alle Kunstinteressierten ist dies eine großartige Gelegenheit, noch unbekannte Künstlerinnen und Künstler zu entdecken und sich von neuen Formen und Ausdrucksweisen inspirieren zu lassen.